Jüngst ist das Buch „Gebäudeautomation in Wohngebäuden (Smart Home) – Eine Analyse der Akzeptanz“ von Karolin Wisser im Springer Verlag erschienen. Ein spannender Titel, der uns von COQON dazu veranlasst hat, bei der Autorin nachzufragen, wie es um die Smart-Home-Welt aus wissenschaftlicher Perspektive bestellt ist.


Nachdem das Buch im Rahmen einer Masterarbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences entstanden ist, beteiligt sich Karolin Wisser derzeit an der Planung des Neubau Terminal 3 am Frankfurter Flughafen und sieht sich somit täglich mit modernster Gebäudetechnik konfrontiert. Foto: Silas Stein

Sie haben am Institut für Zukunftssicheres Bauen der Frankfurt University of Applied Sciences Ihre Masterarbeit über die Akzeptanz der Gebäudeautomation bzw. Smart Home geschrieben. Ihre Arbeit ist nun als Buch erschienen. An wen richtet sich das Buch und was wird der Leser darin über Smart Homes erfahren?

Ja, es ist toll, die eigene Masterarbeit als hochwertiges Buch in den Händen zu halten. Das Buch richtet sich hauptsächlich an Fachleute aus der Baubranche, wie Architekten, Ingenieure, Gebäudetechniker, Elektriker usw. sowie an Hersteller von Gebäudeautomations-/Smart-Home-Produkten. Zur Hauptzielgruppe gehören zudem Soziologen, die sich mit neuer Technik und deren Akzeptanz auseinandersetzen. Das Buch bietet aber auch Privatpersonen, die sich tiefer mit dem Thema beschäftigen wollen, Lesestoff. Es ist verständlich geschrieben, sinnvoll gegliedert und die Thematik wird Schritt für Schritt analysiert.

Der Leser erfährt, was ein Smart Home ist und wie es technisch funktioniert. Nach einem Einblick in die Technikakzeptanzforschung erfolgt eine differenzierte Akzeptanzanalyse. Zum einen wird die bloße Einstellung der Menschen zur Gebäudeautomation in Wohngebäuden untersucht, zum anderen werden die Faktoren analysiert, die zu einer Anschaffung der Gebäudeautomation führen oder diese verhindern. Darüber hinaus wird die Nutzungsphase, genauer die Akzeptanz bei der tatsächlichen Nutzung betrachtet. Zusätzlich wird der Leser über die Potenziale dieser Technologie und deren Realisierung in Kenntnis gesetzt.

Glaubt man Haustechnikexperten und vielen Studien, dann ist Smart Home ein großer Trend. Stimmt diese Wahrnehmung oder hat Smart Home ein Akzeptanzproblem?

Sie haben Recht, vielerorts wird vom Trend „Smart Home“ berichtet. Jedoch wird schon seit einigen Jahren immer wieder von einem Durchbruch derartiger Technologien gesprochen. Nun ist es wichtig zu differenzieren: Die Akzeptanz tritt in verschiedenen Stufen auf. Dabei kann es nur um die Einstellung eines Menschen zum Thema Smart Home gehen. Mit der Akzeptanz kann aber auch erst die Anschaffung von Smart Home-Produkten oder sogar die tatsächliche und andauernde Nutzung gemeint sein. Ich stimme zu, dass Smart Home in dem Sinne als Trend gilt, dass Interesse bei den Menschen besteht. Auch werden immer mehr Anwendungen und Produkte gekauft. Ein echtes Smart Home ist allerdings ein möglichst vollständig vernetztes Wohngebäude, was verschiedenste Funktionen automatisch erfüllt. Noch sind diese vollständigen Smart Homes nicht so weit verbreitet. Und die Akzeptanz bei der Nutzung steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Wo steht Deutschland beim Thema Smart Home? Ein Must-have für Energieeffzienz oder bloß eine Spielerei?

Ob Smart Home ein Trend in Deutschland ist, lässt sich – wie eben beschrieben – nicht so einfach sagen. Es lassen sich durchaus internationale Unterschiede beim Thema Smart Home (Interesse und Marktsituation) feststellen. Jedoch liegt das nicht unbedingt an kulturellen Faktoren. Beispielsweise können auch unterschiedliche Vorgehensweisen der Marktakteure ein Grund sein. In meinem Buch wird dies genauer untersucht.

Bei der Frage „Smart Home – ein Must-have für Energieeffzienz oder bloß eine Spielerei?“ muss man differenzieren: Es gibt Smart-Home-Funktionen, die bei richtigem Einsatz die Energieeffizienz steigern können. Dazu gehören beispielsweise die automatische Heizungs- oder Lüftungssteuerung. Es gibt aber auch Produkte aus dem Multimedia- und Unterhaltungsbereich, die dem Nutzer schlichtweg Spaß machen sollen. Diese Smart-Home-Funktionen bezeichnen andere Menschen möglicherweise als Spielerei.

Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort. Das sind drei wesentliche Punkte, für die das intelligente Wohnen steht. Viele Smart-Home-Besitzer überzeugen diese Vorteile. Was sind Ihren Erkenntnissen nach die Hürden für eine weitere Verbreitung von Smart-Home-Lösungen?

Richtig, das sind wesentliche Potenziale eines Smart Homes. Die gesteigerte Energieeffizienz eines Gebäudes schont nicht nur die Umwelt, die Energieeinsparungen können auch wirtschaftliche Vorteile durch Kostenersparnis mit sich bringen. Neben Sicherheit und Komfort möchte ich auch noch erwähnen, dass ein Smart Home eine besondere Hilfestellung für ältere oder behinderte Menschen darstellen kann – und dies schon mit einfachen Funktionen, wie der Überwachung des Herdes oder anderer gefährlicher Geräte.

Neben all den vielversprechenden Potenzialen bestehen aber auch Zweifel an Smart Homes, zum Beispiel bzgl. des Datenschutzes. Hinderungsgrund für eine Anschaffung sind vor allem auch die hohen Anschaffungskosten für ein vollwertiges Smart Home. Unter anderem gibt es Schwierigkeiten bei der Installation, besonders im Mietobjekt. Außerdem sind viele Systeme nicht miteinander kompatibel. Oder dem Interessenten ist die Anlaufstelle für Kauf und Installation nicht klar. Während der Nutzung können ebenfalls noch Hürden auftreten: bspw. eine komplizierte Bedienung, ein störanfälliger Betrieb oder die fehlende fachliche Betreuung. Dies sind nur einige von vielen Faktoren, die den letztendlichen Durchbruch noch bremsen. Es ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen den Faktoren, die die Akzeptanz in den verschiedenen Stufen fördern oder bremsen.

Coqon beispielsweise bietet als einer der wenigen Hersteller seine Smart-Home-Lösungen auf zwei Vertriebswegen an: Zum einen über den Handwerker und zum anderen über einen Online-Shop direkt an den Endnutzer. Sehen Sie in Ihrer Untersuchung eine Tendenz oder höhere Akzeptanz für einen der beiden Vertriebswege? 

Bei meinen Untersuchungen konnte ich keine klare Präferenz für einen dieser beiden Vertriebswege feststellen. Dass Coqon beide Möglichkeiten anbietet, ist somit sicherlich sinnvoll. Dabei kommt es aber auch auf die Funktionen und den Umfang des Smart Homes an. Gerade wenn es um ein umfangreicher vernetztes Smart Home geht, schätze ich fachgerechte Beratung und Betreuung besonders bei der Installation und darauffolgenden Nutzung als sehr wichtig ein. Aus meinen Untersuchungsergebnissen schlussfolgere ich, dass die Akzeptanz bei der Nutzung gesteigert wird, wenn man als Nutzer weiß, an wen man sich wenden kann, falls es doch einmal zu Problemen oder Störungen kommt.

In meinem Buch werden verschiedene Anlaufstellen für die Interessenten und Kunden und die Gegebenheiten bei der Anschaffungsüberlegung, der Informationsbeschaffung, der tatsächlichen Anschaffung und der darauffolgenden Installation sowie Nutzung untersucht und verglichen.

Was können wir als Hersteller für die Akzeptanz tun?

Im Laufe des Interviews habe ich schon ein paar Ansatzpunkte erwähnt, die von Herstellern beeinflusst werden können. Gerade haben wir über die Vertriebswege gesprochen. Schon früher im Akzeptanzprozess sind Information und Aufklärung für eine breite Zielgruppe von Bedeutung. Natürlich sollten die Produkte an sich möglichst einfach in der Einrichtung und Bedienung sein, kompatibel untereinander und sicher, was Datenschutz angeht. Außerdem sollten Smart-Home-Produkte in verschiedenen Preisklassen angeboten werden. Auch hier gibt es nicht nur einen Faktor als Schlüssel zur Akzeptanz.

Zuletzt noch eine persönliche Frage, die in diesem Kontext natürlich nicht fehlen darf. Welche Smart-Home-Komponenten nutzen Sie bei sich zuhause oder möchten Sie sich unbedingt noch anschaffen?

Aktuell nutze ich keinerlei Smart-Home-Komponenten in meinem Zuhause. Mein Motto ist: So wenig Technik wie möglich, soviel wie nötig. Allerdings sehe ich durchaus Potenziale. Mich interessieren besonders die Themen Sicherheit und Energieeffizienz. Wenn ich im Winter nach Hause komme und die Wohnung ist noch kalt, habe ich mir schon manchmal so ein technisches kluges Helferlein gewünscht.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Karolin Wisser

Gebäudeautomation in Wohngebäuden (Smart Home) – Eine Analyse der Akzeptanz

eBook: 54,99 €

Hardcover + eBook: 70,00 €

Erhältlich bei Springer Verlag 

 

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Interview mit Smart-Home-Analystin Karolin Wisser
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